Lost in Tuscany

Die ersten Brocken Hebräisch habe ich zu lernen begonnen, im März den Flug gebucht: Frei im September, Tel Aviv, here I come. Dann kamen einige Tage vor meinem Abflug Bilder aus Tel Aviv – dort wurden Gasmasken verteilt, Reservisten und die Luftabwehr mobilisiert. Langes Hin- und Her, lange Diskussionen, Zähne knirschen. Und Israel verschoben.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAImmer wieder verschoben und noch nie da gewesen, das passt auch zu Florenz, wo meine großartige Freundin Betül an ihrem PhD arbeitet. Ausgemalt hatte ich mir ein paar tiefenentspannte Tage, aber gleich Tag 1 – Wandern in der Toskana – wurde zu einer ‚fatica‘, einer Strapaze:

– Fahrradschlüssel nicht gefunden, mit dem Bus zum Bahnhof gehetzt- ungläubig schauten wir dem sich von uns wegbewegenden Zug hinterher
– nächster Zug, Ausstieg verpasst. Irgendwo eingestiegen, in irgendeinen Bus. Wieder ausgestiegen
– zurück zur Haltestelle, mit einer Art Schulbus, der über die Straße hüpfte, zum vermeintlichen Ausgangsort
– den ominösen Florenz-Rundweg kaum gefundenOLYMPUS DIGITAL CAMERA
– auf mürrische Männer mit Armbrüsten gestoßen… „Es sind noch 3 Stunden bis zu eurem Ziel!“ – Und da war es just halb sechs
– weitergewandert, in ein zugewachsenes, trockenes Flussbett gelangt. Fortbewegung auf allen Vieren
– ich entdeckte Wildschwein-Spuren, schnappte mir einen Stein (Betül merkte nichts, es wurde dunkler)
– nach einer dreiviertel Stunde Kletterei und Unsicherheit, der Entschluss umzukehren, querfeldein zum Weg zurück
– Brombeerranken hinterlassen ihre Spuren, jetzt war’s dunkel, wir auf dem Weg und kein Handynetz…
– eine Straße entdeckt, eine Rennradlerin gefragt, wo es in den nächsten Ort geht – „Dort lang, sind aber 7km!“
– der nächste Mensch, der uns entgegen kommt, sagt gar ’17km‘ (dass er auf so Inlineskate-Roller-ähnlichen Schienen und Stöcken den Berg hoch fuhr, sollte mich an dieser Stelle nicht stören)
– immer noch kein Handynetz, keine Chance auf ein Taxi, dafür jede Menge Hunger

Strategiewechsel: Trampen, satt Wandern. Und wir haben Glück, gleich das zweite Auto, ein schwarzer Geländewagen, hält. Die Frau hört sich unsere Geschichte an und sagt schließlich „You know, hiking is really dangerous in this area“ – da konnten wir nur zustimmen – zugewucherte, unpassierbare Wege… Aber das meinte sie gar nicht: „Here’s a pride of 15 wolves and boars“OLYMPUS DIGITAL CAMERA. Wölfe und Wildschweine, Glückwunsch.

Liebe Betül, der Stein war nicht gerade die sicherste, beste Idee. Auf einen Baum klettern schon eher… Bei der Recherche fand ich auch: http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/konz/aktuell/Heute-in-der-Konzer-Zeitung-Wanderer-wird-von-Wildschwein-verletzt;

Darauf erst mal einen Limoncello 😉

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