Rübermachen * in den Osten *

Leicht  verschwitzt tippelte ich an der Fußgängerampel am Augustus-Platz in Leipzig-Mitte auf und ab, wartete auf das grüne Ampelmännchen. Eine Dame in der reiferen Jugend fragte mich in sattem Schwäbisch: „Wo ischn dr Bahof?“.  Weniger ob des Dialekts oder gar des inhaltlichen Gehalts der Frage, sondern, weil mir bewusst wird, dass ich für ‚einheimisch‘ gehalten werde, schaute ich etwas konsterniert. Fing mich aber schnell und wies problemlos den Weg (zugegeben, „gerade aus, am Willy-Brandt-Platz links halten“ ist nicht überkomplex 😉 ).

Warum die Anekdote? Um zu zeigen, dass nicht nur Sächsisch, sondern auch tief-westliche Dialekte furchtbar klingen und natürlich: Bewährungsprobe bestanden! Seit vierzehn Tagen wohne ich nun im Klein-Paris, wie Goethe die Stadt aufgrund der hohen Prostituierten-Dichte nannte… Was soll ich sagen, auch wenn ich die Westprodukte schmerzlich vermisse (danke für zahlreiche Angebote mir Bananen zu schicken – die mag ich eh nicht… 😉 ), Urlaub nur noch in ausgewählten Bruderländern machen kann… – Schluss mit dem Schabernack… Leipzig ist wunderschön, die Menschen, die ich kennenlernte, mit denen ich unterwegs war sind herzlich und das Zusammenwohnen gestaltet sich ebenfalls sehr gut…

Und kulturell-veranstaltungsmäßig ist hier einiges los: Gestern gab es angeblich einen Polizeieinsatz bei einer Veranstaltung mit Henryk M. Broder (Infos unter Drei – ich bin an der Sache dran 😉 ) und heute Abend referierte Joachim Gauck über seine Arbeit bei der so genannten Stasi-Unterlagenbehörde. Ein interessanter Abend mit einem inspirierenden Menschen, der nicht zu Unrecht als gefühlter Bundespräsident gilt.

Spannend war am Rande bemerkt auch der Zugang zur Veranstaltung… Als mein Begleiter und ich in der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Stasi ankamen, wurde uns mitgeteilt, dass der Saal bereits überfüllt es sei. Hinter uns tauchte der Moderator und LVZ-Chefredakteur auf, der keck fragte, ob es denn auch für ihn keinen Platz mehr gebe. Ich hab ihn direkt gebeten, zwei Journalistik-Studenten mitzunehmen und so waren wir ‚drin’ im Saal, an den Wartenden vorbei… Frei nach: Lassen sie uns durch, wir sind Arts (wer sagt eigentlich, dieser Bachelor of Arts Titel sei nichts wert? 🙂 )

„Auch Schweinebacken können exakte Akten führen“ (Joachim Gauck über die Stasi-Mitarbeiter)