Diese Rechnung scheint aufzugehen

Die Ausweitung der Kurzarbeit und statistische Mogeleien drücken die Arbeitslosenquote um 0,4 Prozent. Damit waren im Mai knapp 3,5 Millionen Menschen arbeitslos. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, spricht von einem verspäteten Frühjahrsaufschwung. Und macht gute Miene zur tiefen Krise. Ist ja gar nicht so schlimm, wird einem suggeriert. Dabei werden geflissentlich zwei andere Zahlen ignoriert. Denn ein Grund für die so genannte Frühjahrsbelebung sind die Kurzarbeiter. 1,1 Millionen Menschen arbeiten derzeit kurz. Sie verzichten auf einen Teil ihres Lohns, um nicht arbeitslos zu werden. Das gefällt nicht nur Arbeitsagentur-Chef Weise, sondern auch dem Arbeitsminister. Olaf Scholz sagte: „Wir haben rechtzeitig und in ausreichender Intensität das richtige getan.“ Und meint damit die äußerst großzügige Verlängerung und Subvention der Kurzarbeit. Doch hat der Rettungsanker in stürmischen Zeiten, das wichtigste Arbeitsmarkt-Instrument in der Wirtschaftskrise auch Schattenseiten. Die jedoch weder Weise noch Scholz zur Kenntnis nehmen. Fast jedes Unternehmen kann in der Krise Kurzarbeit beantragen, egal wie schlecht es ihm geht. Die Regelungen sind breit, und zwar viel zu breit gefasst. Mitnahmeeffekte sind die Folge. So wird das Kurzarbeitergeld zu einer willkommenen Finanzhilfe auch für florierende Firmen.

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In Krisenzeiten und mit Blick auf die horrende Staatsverschuldung sind verschwendete Gelder für den Steuerzahler nicht nachvollziehbar. Das Instrument Kurzarbeit bedarf einer kritischen Prüfung. Die kosmetischen Eingriffe in die Arbeitslosenstatistik bedürfen ebenfalls eines genauen Hinsehens. Seit Anfang Mai werden Menschen, die mithilfe privater Jobvermittler oder Bildungseinrichtungen Arbeit suchen, nicht mehr von der Arbeitslosenstatistik erfasst. Auf einen Schlag sind rund zwanzig Tausend Menschen nicht mehr arbeitslos. Doch auch statistische Mogeleien können nicht über das hinwegtäuschen, was uns noch bevorsteht. Einen ersten bitteren Vorgeschmack liefert der Maschinenbau. Die beschäftigungswichtige Branche meldet einen Auftragssturz um 58 Prozent. Ein Beispiel für das, was dem deutschen Arbeitsmarkt bevorsteht. Das wird Auswirkungen auf große Teile der Stammbelegschaft haben. Kurzarbeit und statistische Schönfärberei hin oder her.

Dieser Kommentar entstand im Rahmen eines WDR5-Seminars. Bericht und weitere Infos auf wdr5.de


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2 Gedanken zu „Diese Rechnung scheint aufzugehen

  1. Oh, oh – du weißt ja, wieviel ich von politik verstehe… siehe route charlemagne 😮 damals im Praktikum … aber ein Wirtschaftsthema… Wenn ich mich richtig erinnere, dann waren Arbeitslosenzahlen immer gefürchtet, weil keiner wieß, wie man das interessant rüber bringen soll. Was deinen Kommentar angeht: Gut nachvollziehbar und interessanter Ansatz!!!

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