Bye bye Berlin!

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„The place to be“ ist Berlin offiziell seit Anfang März. Damals startete der party-affine Regierende Bürgermeister den zweiten Teil der be.berlin-Kampagne. Um „weltweit einen langfristigen Imagegewinn“ zu erzielen, wie es Wowereit beschrieb.

Passte ja perfekt: Von Ende Februar bis Ende März war die Hauptstadt auch mein place to be. Ein vierwöchiges Praktikum im Bundespresseamt beim stellvertretenden Regierungssprecher Thomas Steg und im Referat für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war Grund meines Umzugs an die Spree. (Regierungs-) Pressekonferenzen, öffentliche Termine, militärische Ehren, (eigenständige) Erkundungstouren durchs Kanzleramt und interne Besprechungen bestimmten meine Agenda.

Wortklauberei

Mein inhaltlicher Schwerpunkt war – wen wird’s wundern – Frauen- und Gleichstellungspolitik. Für die Homepage der Bundesregierung und diverse Publikationen recherchierte und schrieb ich Artikel. Währenddessen lernte ich zum Beispiel, dass zwei Prozentpunkte Zuwachs innerhalb von 10 Jahren euphorisch verkauft werden wollen (es geht um eine Statistik zu modernen Männern) und das Erfinden neuer Kategorien vieles in einem sonnigeren Licht scheinen lässt. Gab es vor 10 Jahren noch traditionelle Männer, heißen sie heute „teiltraditionell“. Den Unterschied haben weder meine Referatsleiterin oder ich erfasst, aber klingt ja schon viel fortschrittlicher, nicht wahr?

Gelbe Karte gesehen

Gelegentlich begleitete ich den stellvertretenden Regierungssprecher ins Kanzlereck. Bei Antipasti, Buletten und Espresso macchiato trifft sich dort ein illustrer Kreis von Journalisten, die dem „linken Spektrum“ zu zurechnen sind, wie Gelbe-Karte-Sprecherin Tissy Bruns sagte. Rund eineinhalb Stunden redet Steg dort über alles, was er gerade berichtenswert findet – auch Angela Merkels Führungsstil ist ein beliebtes Gesprächsthema. Verlässt man nach dem obligatorischen Kaffee den Gesprächskreis, kann man sicher sein, nah an den meinungsmächtigen des Berliner Raumschiffs gewesen zu sein. Doch bleibt die Frage: Wer steuert wen?

Berlin ist bekanntlich mehr als Medien und Politik. Für mich ist’s Kiez und Kult, Wohnen in der sanierten Platte und Shopping im Designerlädchen um die Ecke. Umgeben sein von Leuten, die sich ein Tick cooler, hipper fühlen als anderswo, jeden Tag aufs Neue zum Staunen gebracht werden… Um es mit Jean Paul zu sagen: „Berlin ist mehr ein Weltteil als eine Stadt“.

Einige Anregungen für euren nächsten Berlin-Besuch:

  • Wohlriechende Kleinigkeiten gibt’s in diesem Laden in den Rosenhöfen
  • Ein wunderbares Kaffeehaus mit hausgemachten Spezialitäten
  • Tolles Café mit Kleinkunst im Wohnzimmerstil
  • Morgens Frühstück, Nachts Party – alles très chic im Dante
  • Club mit tollem Ausblick direkt am Alex
  • Wer länger dort bleiben will: Wohnen in ‚meinem Viertel‘ (Mitte / Hakesche Höfe) kann ich nur empfehlen

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Die Berliner Band Tele singt:

„Ich kann riesige Buchstaben auf dem Mond sehen. Da steht: Bye bye Berlin…“

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Und ich füg dem hinzu: Bis bald, Berlin!

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