Schafskälte & Narrenherz

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Bilder vom buten Treiben – Karneval in Würselen

«Wann kommt denn jetzt endlich der Zug?», möchte der siebenjährige Jens wissen und schaut seine Eltern fragend an. Es ist nur etwas über null Grad, Regen tropft beständig vom Himmel, und trotz des dicken Pelzes – Jens geht dieses Jahr als Bär zum Zugweg – friert er ein bisschen.

Die Morsbacher Straße füllt sich langsam mit Verkleideten, vom ausgefallenen Erdbeerkostüm bis zur klassischen Clowns-Maskerade ist alles dabei. Auch ein Hund wurde von seinen Besitzern verkleidet. Er soll nun unverkennbar eine Biene sein, läuft mit schwarz-gelben Umhang und einem Haarreif auf den Ohren herum.

Als die ersten Wagen zu sehen und die Karnevalsschlager zu hören sind, sagt Petra Dahmen zu ihren Töchtern Nina und Anna mit Blick auf den nassen Boden: «Ihr müsst das Süße auffangen. Wenn ihr auf der Straße sammelt, ist das schon aufgeweicht.» Diesen Rat versuchen sie zu beherzigen, während die als Hexe und Prinzessin verkleideten Mädels aus vollen Hälsen den Fußgruppen und Wagen «Alaaf» entgegen brüllen. Doch so viel wie die als Kaninchen verkleideten Züchter, die Matrosen vom Oppen-Haaler Jungenspiel, die Karnevalsgesellschaft «Au Ülle» und die vielen weiteren Zugteilnehmer an Gummibärchen, Bonbons und Schokolade werfen, können die beiden kaum fangen.

Insgesamt ziehen 52 Gruppen durch die von gut gelaunt feiernden Karnevalisten gesäumten Straßen. Neben den traditionellen Wagen von Prinzengarde, Burggrafen und Erstem Würselener Karnevalsverein gibt es auch einige besonders fantasievolle Beiträge. Wie der des Morsbacher Kindergartens, der als Schafherde vertreten war. Irgendwie passend, bei dieser Schafskälte.

Klar kann ich Kanzler!

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Ab heute beginnt die Bewerbungsphase für eine neue Casting-Show des Zweiten Deutschen Fernsehens. Gesucht werden weder Sänger, Tänzer oder Models, sondern – und das macht die Sache für mich interessant und beobachtenswert – Nachwuchspolitiker zwischen 18 und 35 Jahre. Die Bewerbung besteht aus drei Teilen: einem Fragebogen, einem Konzept mit einer „Idee für Deutschland“ und eine Art Lobhudelei auf den Bewerber, verfasst von einem Paten – der Bürgermeister, Lehrer, Professor … sein kann. Im Portefeuille dürfen sich des Weiteren Fotos und Videos befinden, die deutlich machen, warum gerade er oder sie „Kanzler kann“. Eine dreiköpfige Jury trifft dann eine Vorauswahl und die – nach welchen Kriterien auch immer – qualifiziertesten Bewerber treten im Finale, das der Sender im Sommer zeigt.

Dem Gewinner der Polit-Casting-Show winkt ein Kanzlermonatslohn (meine Recherche ohne Anspruch auf Genauigkeit ergab, dass es rund 18.000€ sein dürften) und ein Praktikum im „Zentrum der Macht“ (das gilt es noch zu spezifizieren, denn wenn das Zentrum der Macht beispielsweise das BPA ist, so berichte ich demnächst live dorther…).

Die Kanzler-Such-Sendung ist übrigens eine Adaption der kanadischen Sendung „The next great Prime-Minister“, die 2007 ausgestrahlt wurde. Im Original-Format erklärten die Kandidaten zunächst, was sie in ihrem Land verbessern möchten. Die Finalisten traten dann zu einer Live-Debatte gegeneinander an, in der sie – ähnlich wie in den TV-Duellen vor der Bundestagswahl oder in den USA bei Präsidentschaftswahlen – zu verschiedenen Themen Stellung nehmen mussten und dabei vom Publikum beurteilt wurden.

Wie genau das deutsche Konzept aussehen soll, ist bisher nicht bekannt, auch wer die Sendung moderieren darf, ist ungewiss: Vielleicht Markus Kavka?

Bei aller Euphorie sollte man nicht vergessen, dass die Sendung eine Talentsuche ist und kein Eingriff in den politischen Prozess geschieht – im besten Fall aber in den politischen Diskurs. Es kann also nicht darum gehen, einen neuen Obama zu kreieren, der dann ab nächsten Montag ins Kanzleramt zieht.

PS. Freunde, nein ich werde mich nicht bewerben (aber danke, für eure Zusprüche à la „Wir werden dich wählen“ et al. *grins*)