Leid & Freud

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Wiederholungszwang – mit diesem Begriff hat Sigmund Freud einst die erstaunliche Tatsache benannt, dass wir Menschen dazu neigen, uns immer wieder Situationen zu schaffen, die uns besonders vertraut sind. Wir machen das mit großem Fleiß – selbst dann, wenn diese Situation destruktiven Charakter haben. Das erklärt, warum beispielsweise das Kind alkoholabhänginger Eltern später gern mit einem Partner zusammen lebt, der ebenfalls säuft. Getragen von der stillen Hoffnung, die Geschichte möge dieses Mal einen guten Verlauf nehmen. Solche neurotischen Wiederholungszwänge lassen sich jedoch nicht nur gut in Beziehungen beobachten, sondern gegenwärtig republikweit: Nach dem die Menschen ausgiebig über die unverantwortlichen Zocker in Banken und Börsen geschimpft haben, zieht es sie wie die Lemminge in die Lottoannahmestellen – zum Zocken. Es locken rund 35 Millionen und die Hoffnung, dass die Geschichte dieses Mal gut ausgeht. Die Chancen allerdings stehen noch schlechter als in der Alkoholiker-Ehe. Die Wahrscheinlichkeit im Lotto nicht zu verlieren, sondern eben den ‚Pott‘ zu knacken, liegen bei bescheidenen 40 Millionen. Das ist wohl das Geld sogar auf der Bank noch besser angelegt. Aber es wird ja ohnehin im Lotto das eigene Geld verzockt, meistens jedenfalls.

image2 Money won is twice as sweet as money earned!

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4 Gedanken zu „Leid & Freud

  1. Ein – wie gewohnt – brillanter Artikel, liebe Vera. Welche Lehren ziehen wir nun aus unseren absurden Handlungsweisen auf der Reise durch Zeit und Raum? Der Mensch ist eine Fehlkonstruktion. Er sucht, strebt, hofft, resigniert und der Reigen – ganz im Schnitzlerschen Sinne – beginnt vorne. Dieses Leben – und wir scheinen nur das eine zu haben – ist nicht ernstzunehmen jenseits jederweder Leichtfertigkeit, die unangebracht. Vielmehr die Leichtigkeit des Seins regt uns zum Schmunzeln über unser Absurdes Dasein an, welchem Sinn zu geben schon ein Auftrag für ein ganzes Leben beinhaltet.-so fare
    Ich fürchte, dass war jetzt ein nachdenkliches Wort zum Freitag jenseits des originären Themas… 😉

  2. Ein beeindruckendes Phänomen: normalerweise ist Lernen adaptiv, im Wiederholungszwang scheint diese Eigenschaft des Lernens für den Betroffenen ungültig.

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