Leid & Freud

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Wiederholungszwang – mit diesem Begriff hat Sigmund Freud einst die erstaunliche Tatsache benannt, dass wir Menschen dazu neigen, uns immer wieder Situationen zu schaffen, die uns besonders vertraut sind. Wir machen das mit großem Fleiß – selbst dann, wenn diese Situation destruktiven Charakter haben. Das erklärt, warum beispielsweise das Kind alkoholabhänginger Eltern später gern mit einem Partner zusammen lebt, der ebenfalls säuft. Getragen von der stillen Hoffnung, die Geschichte möge dieses Mal einen guten Verlauf nehmen. Solche neurotischen Wiederholungszwänge lassen sich jedoch nicht nur gut in Beziehungen beobachten, sondern gegenwärtig republikweit: Nach dem die Menschen ausgiebig über die unverantwortlichen Zocker in Banken und Börsen geschimpft haben, zieht es sie wie die Lemminge in die Lottoannahmestellen – zum Zocken. Es locken rund 35 Millionen und die Hoffnung, dass die Geschichte dieses Mal gut ausgeht. Die Chancen allerdings stehen noch schlechter als in der Alkoholiker-Ehe. Die Wahrscheinlichkeit im Lotto nicht zu verlieren, sondern eben den ‚Pott‘ zu knacken, liegen bei bescheidenen 40 Millionen. Das ist wohl das Geld sogar auf der Bank noch besser angelegt. Aber es wird ja ohnehin im Lotto das eigene Geld verzockt, meistens jedenfalls.

image2 Money won is twice as sweet as money earned!

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

In der Neujahrsnacht

Die Kirchturmglocke
schlägt zwölfmal Bumm.
Das alte Jahr ist wieder mal um.

Die Menschen können sich in den Gassen
vor lauter Übermut gar nicht mehr fassen.
Sie singen und springen umher wie die Flöhe
und werfen die Mützen in die Höhe.

Der Schornsteinfegergeselle Schwerzlich
küßt Konditor Krause recht herzlich.
Der alte Gendarm brummt heute sogar
ein freundliches: Prosit zum neuen Jahr.

Dem schließe ich mich an und wünsche allen Lesern & Kommentierenden einen schwungvollen Start ins neue Jahr!pacchetto-capodanno