Alle Jahre wieder…

Oh friedliche, besinnliche Weihnachtszeit – Plätzchen backen, über den Weihnachtsmarkt schlendern, Geschenke kaufen… der romantische Höhepunkt, das Fest der Liebe zum Jahresausklang. Es soll, nein, es muss perfekt sein: kreative Geschenke, ein traumhaft geschmückter Tannenbaum, mehrgängiges Essen…

Gefahr lauert, so bald es heißt:  Familia ante portas! Dann treffen die eifersüchtigen Schwestern aufeinander, der ungeliebte Cousin, die schrullige Tante… klar, die netten Familienmitglieder kommen auch, aber die sind ja nicht für die Dissonanzen und bösen Bemerkungen – kurz für die Trübung der Harmonie – verantwortlich.

Harmonie, vielleicht sogar Haromiesucht, darum geht es an Weihnachten. Extrem hohe Erwartungen, die hektische, mühevolle Vorbereitungszeit kommen häufig am Heiligen Abend zu Tage: Es kracht an allen Ecken und Enden. Alle sind ‚im Stress‘ – welche Geschenke, wo und wie soll das Fest gefeiert werden? Alles und alle, Kinder, Eltern, Geschwister…, müssen unter einen Hut gebracht werden und alle Erwartungen wollen als auch sollen erfüllt werden.

Nicht zu verachten, die Mammutaufgabe des Gastgebers, der die Wohnstube in ein ‚Winter-Wonderland‘ zu verwandeln und ein opulentes Menü zu zaubern versucht. (Für alle ‚Betroffenen‘ ein Tipp von der luxemburgischen Cuisinière Lea Linster, gehört bei ‚Zimmer frei‘: „Ich verrate Ihnen, wie sie versalzenes Essen wiederhin bekommen!  … Sie kochen es einfach neu!“  🙂  )

Na mit so viel Humor geht es an Weihnachten ja meist nicht zu. Was hilft (mir) also?

Entschleunigung vor dem Feste – Sauna, Spaziergänge, ins Kino gehen – und während der Feierlichkeiten Freiräume für den kurzzeitigen Eskapismus schaffen. Man sollte sich zurückziehen dürfen – die ganze Familie muss nicht die ganze Zeit aufeinanderhocken.

Und wie schaut’s bei euch aus? Freut ihr euch auf friedliche Weihnachten, oder habt ihr schon Anflüge von Weihnachtsblues? Habt ihr ‚Exit-Strategien‘ oder wäre das übetrieben?

In jedem Fall wünsche ich schöne Feiertag!

Winterlandschaft mit Kirche (1811) - Caspar David Friedrich

Winterlandschaft mit Kirche (1811) - Caspar David Friedrich

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„Qualität wird sich durchsetzen!“

Ein Interview mit Cathrin Kahlweit (Süddeutsche Zeitung) zum Thema ‚Zukunft der Zeitung’

Danke, Manuel fürs Bild(er) machen!

copyright by manuel krane (danke manuel,fürs bilder machen!)

Vera Cornette: Frau Kahlweit, sie scheinen keine besonders große Freundin des Fernsehens zu sein!

Cathrin Kahlweit: Doch, eigentlich schon.

V.C: Und wie ist ihre Rückkehr zur Süddeutschen Zeitung nach nicht mal einem halben Jahr als Redaktionsleiterin bei der Talksendung ‚Anne Will’ zu erklären?

C.K.: Offiziell hat mir das Schreiben gefehlt.

V.C.: Offiziell?

C.K.: Es gab auch persönlich Gründe, aber ich empfinde Schreiben als Selbstbestimmter. Ich kann mich entfalten und eigenständiger Arbeiten.

V.C.: Aber ist das klug, zu einer Zeitung zurückzuwechseln, wo doch der Zeitungsmarkt in einer Krise steckt?

C.K.: Sicherlich sind die Zeiten nicht gut für Print. In vielen Verlagshäusern, auch bei der Süddeutschen Zeitung sollen Millionen eingespart werden. Aber ich mache Zeitung aus Leidenschaft.

V.C.: Kostensenkung, weniger Auflage, ‚Online first’, das sind die Trends der letzten Jahre. Wie glauben Sie, wird sich das fortsetzen?

C.K.: Ich gehe erstmal nicht davon aus, dass alle ihre Nachrichten auf einem E-Book lesen wollen. Kleinere Zeitungen können verdrängt werden. Aber ich denke, große Qualitätszeitungen werden sich durchsetzen.

V.C.: Warum? Wegen des haptisches Erlebnisses beim Umblättern?

C.K. (lacht) Irgendwo ist das wahrscheinlich auch ein Aspekt, ja.

V.C.: Und warum sonst noch?

C.K. Derzeit findet man Qualitätsjournalismus in Zeitungen und im Rundfunk. Und dafür muss man bezahlen. Im Internet kann jeder Informationen anbieten, aber ob die fundiert recherchiert sind, ist eine andere Frage. Ich denke, es wird immer Menschen geben, die an vertrauenswürdigen Informationen interessiert sind.

V.C.: Angenommen auch die Qualitätszeitungen würden dem Zeitungssterben zum Opfer fallen, welche Auswirkungen hätte das für den Qualitätsjournalismus?

C.K.: Das kommt auf die Alternative an. Qualitätsjournalismus ist ja nicht unbedingt an gedruckte Zeitungen gekoppelt. Auch im Internet ließe sich guter Journalismus verbreiten. Aber dazu braucht man Geld und gut ausgebildete Journalisten mit Fachkenntnissen.

V.C.: Frau Kahlweit, haben Sie vielen Dank fürs Gespräch!

Cathrin Kahlweit studierte Politik und Russisch in den USA, Moskau und Tübingen. Sie besuchte die Hamburger Journalistenschule und arbeitete anschließend unter anderem als Radioreporterin beim Bayrischen Rundfunk. Ab 1989 war sie Redaktionsmitglied bei der „Süddeutschen Zeitung“. Dorthin ist Kahlweit nach einem kurzen Intermezzo als Redaktionsleiterin bei der Talkshow ‚Anne Will’ zurückgekehrt. Ich traf sie letzte Woche während des MainzerMedienDisputs.