My BECK Experience

Vor allem in den ersten Septemberwochen dominierte Kurt Beck, sein ein wenig seltsam anmutender Rücktritt im Besonderen und die Krise der SPD im Allgemeinen die Schlagzeilen. Die Berichterstattung verlief zu weilen etwas anmaßend – und gelegentlich stellte ich mir die Frage, ob die Journalisten sich tatsächlich mit Beck und First-Hand-Informationen beschäftigten oder ob nur die Artikel der Kollegen quergelesen, die Nachrichten verfolgt und neue Meldungen mit ein bisschen mehr Würze, mehr Pepp lanciert wurden.

Hat sich keiner mit Beck unterhalten (dürfen)? Bevor Beck endgültig in die rheinlandpfälzische Provinz entschwindet und die Erinnerungen an ihn verblassen (siehe unten), möchte ich eine persönlich Randnotiz machen:

Während eines Seminars der Ebert-Stiftung letzten Sommer in Berlin habe ich bedingt eingeladen mit einem Mitstipendiaten und Freund das Hoffest der SPD-Bundestagsfraktion besucht. Es war ein lauer Abend, die Sommer in Mitte schon untergegangen und die Genossen dem Wein zugetan. Auch Kurt Beck nippte an einem Riesling – Mosel Spätlese. Ein paar Stunden zuvor sprach er vor der Fraktion im Willy-Brandt-Haus und erklärte, er klebe nicht an seinem Amt. Beck war ausgezehrt, entkräftet vom Händeschütteln, müde vom Lächeln für die Kameras. Dass wir auf ihn zugingen, war rückblickend wenig salomonisch. Aber als von der Neugier getriebener Mensch konnte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Beck rang sich ein Lächeln für die ‚jungen Menschen‘ ab und weder er noch ich erwiesen uns als eloquente Smalltalker:

Kommst du demnächst noch mal in unsere Region, nach Aachen?

Jaja, ich werd demnächst in der Eifel sein. Hab einen Termin im Rahmen der Sommertour.

Na vielleicht kann ich dann mal einen netten Artikel über dich schreiben?*

Ja, das wäre schön!

(*schreibe gelegentlich für eine regionale Tageszeitung)

Jedem mich betreffenden Dilettantismus-Vorwurf wird unverzüglich stattgegeben, aber was meint der geneigte Leser zur Beckschen Antwort? Die Presse war unglaublich schlecht, und anstatt mit Verve gegen die Äußerung dieses frechen Mädchens vorzugehen, wirkte er wie ein geprügelter Hund. Resigniert und seinem Schicksal ausgeliefert.

Fazit: Lieber ein Ende mit Schrecken als … nun ja, ich glaube für Beck ist es das Beste, sich auf sein Bundesland zu konzentrieren. Und ich meine das ohne jeden Zynismus – es muss nicht jeder mit und im Berliner Raumschiff klar kommen. Der Wind weht dort rau, sehr rau.

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5 Gedanken zu „My BECK Experience

  1. Pingback: » Blog Archiv » Der Beck-Komplex

  2. Herzerfrischend, liebe Vera! Gratulation zum wirklich gelungenen Blog-Start! Erinnert mich an einen denkwürdigen Abend im ebenso denkwürdigen politischen Berlin. Dafür meinen Dank und meine Anerkennung! 🙂
    P.S. solche investigativen Besuche ohne Einladung machen wir mal wieder, ja? 😉

  3. So wurde ja doch noch ein cor-netter Artikel draus – wenngleich das ja nie so geplant war. Ironie der Zeitgeschichte läßt grüßen. Wir waren der guten Sache mal wieder Seit‘ an Seit‘ voraus 😉

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