“Cool und witzig”, “sexy” oder auch “fachlich kompetent”, es wird wohl kaum jemand etwas dagegen haben, in diese Kategorien eingeordnet zu werden. Das müsste für jeden ertragbar sein, erst recht für einen Lehrer, der ja selbst auch kategorisiert, indem er Noten gibt, oder?
Ich denke schon. Doch ist die Benotung eines Lehrers exklusiv – meist zwischen Lehrer und Schüler. Im Internetportal “Spickmich” kann potentiell jeder die Bewertungen einsehen. Zwar anonym abgegeben, aber sichtbar für die gesamte Internetgemeinde.
Der Bundesgerichtshof entschied diese Woche, dass dies zulässig ist und begründete die Entscheidung mit einem tragendem Element jeder liberalen Demokratie: der freien Meinungsäußerung.
Und wirklich Diffamierendes wurde über die klagende Lehrerin nicht offenbart: Schüler bewerteten ihre pädagogisch-fachlichen Leistungen mit einer 4,3 (so diplomatisch hätte / habe ich meine Meinung über meine Lehrer nicht ausgedrückt
). Das fanden die Karlsruher Richter “weder schähend noch beleidigend”. Im Gegenteil: dass Schüler Lehrer bewerten können, ist ein Fortschritt, ein Schritt gen Feedback-Kultur, die man sonst an deutschen Schulen vermisst. Im Regelfall verläuft das Feedback wie eine Einbahnstraße: vom Lehrer zum Schüler, via Noten und Kommentaren.
Es kann nur wünschenswert sein, würden die Lehrer merken, dass sie Schülern die Chance zum Feedback einräumen müssten. Wünschenswert, passierte das im Unterricht. Doch anscheinend hat sich auch zwei Jahre nachdem ich mein Abi gemacht habe wenig geändert: Noch immer sind die Lehrer fokussiert darauf “ihr Ding” durchzuziehen und lassen ihren Schülern nicht den Raum, ihre Kritik am Unterrichtsstil zu geben. Jetzt stellen sie die Lehrer eben für alle Welt sichtbar an den Pranger.
Ob sich da nicht so mancher Lehrer wünscht, er hätte mit sich reden lassen?

Verfasst von veracor 
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